Lisette Oropesa ist strahlender Mittelpunkt dieses Londoner „Rigoletto“

Lisette Oropesa ist strahlender Mittelpunkt dieses Londoner „Rigoletto“

Diese Produktion von 2021 des Londoner Traditionsopernhauses Covent Garden stellt Verdis Erfolgsoper in der Regie des neuen künstlerischen Direktors Oliver Mears in stilistisch uneinheitlicher Form auf die Bretter. Die Ballszene am Hof des Herzogs von Mantua hat wenig von der Eleganz eines höfischen Festes. Auch der Herzog selbst scheint es sehr handfest zu lieben, schreitet er doch direkt auf der Tanzfläche zur Kopulation mit der umworbenen Gräfin Ceprano. Mears mixt historische Kostüme mit aktueller Alltagskleidung, was allerdings keinen optischen Mehrwert darstellt.

Im zweiten Akt entwickelt sich das Regiekonzept etwas schlüssiger, bei den großen Szenen des Herzogs und Rigolettos gelingt dem Regisseur eine überzeugende Personenführung, auch der Chor bewegt sich dramaturgisch sinnvoll.

Die Bleibe des Auftragsmörders Sparafucile und seiner Schwester siedelt Mears im dritten Akt allerdings noch unterhalb der letzten Sprosse der sozialen Leiter an, in ein solches Quartier hätte sich ein Herzog niemals begeben. Maddalena ist wie ihr Bruder mit vielen Tätowierungen „geschmückt“, hängt ständig an einer Weinflasche und darf den lüsternen Adeligen auf offener Bühne reiten. Die Abläufe sind logisch und stimmig, aber an Geschmack und Stilgefühl scheint es Mears doch sehr zu mangeln.

Der musikalische Teil, der schließlich die Hauptsache sein sollte, fällt schon deutlich positiver aus. Mit dem armenischen Tenor Liparit Avetisyan hat man einen guten Griff getan. Ihm gelingt es, die narzisstische Selbstverliebtheit und Gewissenlosigkeit des Herzogs glaubwürdig darzustellen und mit seinem kräftigen Spinto-Tenor das Ohr zu erfreuen. Er phrasiert äußerst ansprechend und stilsicher.

Der große Glücksfall der Aufführung ist die amerikanische Sopranistin mit kubanischen Wurzeln, Lisette Oropesa. Ihr gelingt eine Darstellung der unglücklichen Gilda, die fern jeder Sentimentalität rührt. Darstellerisch gelingt ihr die Schlüsselszene, der Augenblick der Scham zwischen Vater und Tochter, ausgezeichnet. Ihr klarer, leuchtender hoher Sopran hat Volumen und kann sich im zweiten und dritten Akt resolut gegen Orchester und Partner durchsetzen, im ersten Akt bezaubert sie mit glockenreinen Koloraturen. Dass sie außerdem eine schöne Frau ist, verstärkt den positiven Gesamteindruck.

Ein wenig enttäuschend ist die Interpretation der Titelrolle durch Carlos Álvarez. Der spanische Bariton ist seit über dreißig Jahren auf internationalen Bühnen unterwegs, diese Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Sein dunkler Bassbariton ist nicht mehr gut fokussiert und der Stimme mangelt es an Geschmeidigkeit. Dieser Rigoletto wirkt doch arg trocken und eindimensional, obwohl Álvarez im Spiel ambitioniert agiert.

Sparafucile und Maddalena sind mit Brindley Sherratt und Ramona Zaharia erfreulich gut besetzt, dem Monterone von Eric Greene fehlt es dagegen an Durchschlagskraft für seinen dramatischen Fluch.

Der Dirigent Antonio Pappano ist viel mehr als nur eine sichere Bank, sein Stilgefühl und seine kapellmeisterliche Kompetenz ermöglichen eine Aufführung auf höchstem Niveau. Leider muss man aber auch dieser Produktion attestieren, dass die akustische Qualität der optischen weit überlegen ist.

Giuseppe Verdi, Rigoletto

Royal Opera House Covent Garden
Antonio Pappano

Opus Arte OABD 7303D

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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