Mit der Primadonnenpartie der Julia hat die Staatsoper Sonya Yoncheva besetzt. Die stürzt sich beherzt in die einst auch von Maria Callas gesungene Partie, ist damit aber deutlich überfordert. Ihre Stimme klingt abgesungen, das Timbre hat eine metallische Färbung angenommen, Farben vermisst man schmerzlich. Ihr fehlt einfach auch die Dominanz einer Spitzensängerin.
Der Komponist Spontini war im frühen 19. Jahrhundert der erste Intendant der Königlichen Hofoper in Berlin. Seine erfolgreichste Oper „La Vestale“ wurde damals auch in Berlin gegeben, die aktuelle Produktion ist daher auch ein Blick zurück in die Geschichte des Hauses.
Mit der Inszenierung betraute man Lydia Steier, genauer gesagt transferierte diese nur jene, die 2024 an der Pariser Opera Bastille Premiere hatte. Dort hatte das Bühnenbild von Etienne Pluss, das eine Nachbildung des berühmtem Amphietheaters der Pariser Universität Sorbonne ist, natürlich im Gegensatz zu Berlin großen Wiedererkennungswert.
Das dramaturgisch schwache Drama um die zur Keuschheit verpflichtete Priesterin Julia, die den Feldherrn Licinius liebt, was Beiden beinahe zum Verhängnis wird, ist im Ablauf reichlich zäh. Die Umsetzung des Stoffes gelingt Steier eher holperig, die Züchtigung abtrünniger Priesterinnen wird sehr realistisch in ihrer ganzen Brutalität gezeigt, und auch sonst bietet die Inszenierung wenig Freude für das Auge.
Das heilige Feuer der Vesta wird hier von Büchern genährt, im Hintergrund sieht man geleerte Bibliotheksregale. Eine etwas plumpe Anspielung auf die einen Steinwurf entfernt stattgefundene Bücherverbrennung der Nazis? Insgesamt ist die Inszenierung bildmächtig, aber deutlich uninspiriert.
Die Personenführung bleibt konventionell, Julia muss sich immer wieder einmal aus-bzw. umziehen, gleiches macht Licinius mit seiner Uniformjacke, in Momenten höchster Erregung wird auf einen Tisch gestiegen. Modernes Regietheater eben.
Mit der Primadonnenpartie der Julia hat man Sonya Yoncheva besetzt. Die stürzt sich beherzt in die einst auch von Maria Callas gesungene Partie, ist damit aber deutlich überfordert. Ihre Stimme klingt abgesungen, das Timbre hat eine metallische Färbung angenommen, Farben vermisst man schmerzlich. Ungleich präsenter die Oberpriesterin von Marina Prudenskaya, die sich einmal mehr als Stütze des Staatsopernensembles erweist.
David Butt Philip kann mit angenehmem Timbre als Licinius erfreuen, obwohl er sich damit nicht unbedingt im richtigen Stimmfach bewegt. Ein Ärgernis erneut der Cinna von Siyabonga Maqungo, der mit dünnem, trockenem Tenor ohne Tiefe, nicht mehr als ein Stichwortgeber für Licinius ist.
Carlo Rizzi, ein erfahrener Dirigent des italienischen Repertoires macht auch hier bella figura, kann aber auch nicht verhindern, dass speziell der dritte und letzte Akt sehr langatmig erscheint. Das Premierenpublikum im nicht ausverkauften Haus spendet am Ende starken, aber kurzen Applaus. Lydia Steier ist mit nicht zu überhörenden, durchaus verdienten Buh-Rufen konfrontiert.
Gaspare Spontini, La Vestale
Sonya Yoncheva Julia
David Butt Philip Licinius
Marina Prudenskaya La Grande Vestale
Siyabonga Maqungo Cinna
Lydia Steier Regie
Carlo Rizzi Dirigent
Staatsoper Unter den Linden (Foto, (c)), Premiere, 26. September 2026
zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de