Die Deutsche Oper Berlin beginnt ihre neue Intendanz im Museum der Moderne

Die Deutsche Oper Berlin beginnt ihre neue Intendanz im Museum der Moderne

An der Deutschen Oper Berlin ist es inzwischen eine Tradition geworden, als erste Premiere einer neuen Intendanz ein Werk der Moderne zu wählen. Dietmar Schwarz begann seine Intendanz 2012 mit Helmut Lachenmanns „Mädchen mit den Schwefelhölzern“, sein Nachfolger Aviel Cahn kann mit Stockhausens „Mittwoch aus Licht“ sogar eine Deutsche Erstaufführung präsentieren.

Dass dieser Teil von Stockhausens monumentalem Opernwerk, das alle sieben Tage der Woche umfasst, bisher bestenfalls in Teilen aufgeführt wurde, liegt an der komplizierten Struktur, und der überbordenden Dimension des Werkes. Man konnte also gespannt sein.

Schon der erste Abschnitt, das „Welt-Parlament“ lässt erkennen, was das Publikum in den nächsten gut vier Stunden geboten bekommt. Zunächst einen Text esoterischen Zuschnittes, illustriert durch pantomimischen Verrenkungen von Choristen, am Interessantesten erscheint, dass man den bewährten Chordirigenten des Hauses, Jeremy Bines einmal singend und als als Darsteller erlebt.

Musikalisch ergiebiger ist der zweite Teil „Orchester-Finalisten“, der eine Reihe von Instrumentalisten ihre Virtuosität auf dem jeweiligen Instrument demonstrieren lässt.

Mittwoch (c) Julian Roeder

Spektakulärster Teil ist das „Helikopter-Streichquartett“, dargeboten von Mitgliedern des Orchesters der Deutschen Oper, die ihre Instrumente im Dauer-Vibrato während eines Hubschrauberfluges einsetzen, die aufwändige Aktion wurde Tage davor gefilmt, und in der Aufführung auf großer Leinwand wiedergegeben. Eine ziemlich penetrante Berieselung mit Videoinhalten verschiedenster abstrakter Inhalte begleitet im Übrigen die gesamte Aufführung bis zum Überdruss.

In der letzten Szene, „Michaelion“ wird die Handlung endgültig surreal, die Texte sinnentleert, Hauptattraktion ist ein farbige Kugeln kotendes Kamel, einzelne Choristen mischen sich ins Publikum und singen einem beinahe ins Ohr. Das markiert aber auch schon das Ende der Vorstellung, von nicht wenigen der Zuschauer mit Erleichterung aufgenommen. Gut vier Stunden Oper ohne eine Handlung und mit verquasten esoterischen Worthülsen gespickt, sind schwer zu ertragen.

 Der Komponist Stockhausen nimmt in der deutschen musikalischen Avantgarde einen prominenten Platz ein, so gesehen hat eine Aufführung dieses Werkes seine Berechtigung und Legitimität. Dass es einem Opernpublikum nicht so leicht zu vermitteln ist, ist auch einleuchtend.

Die Regisseurin Susanne Kennedy hat leider versucht, der Produktion die Optik und Anmutung eines Fantasy-Filmes der C-Kategorie zu verleihen. Das gelang ihr, und führte zu schwer erträglichem Kitsch  in Darstellung und Bühnenbild, sowie Kostümen ( Markus Selg). Das hat Stockhausen nicht verdient, eine mehr auf Klarheit, Schlichtheit und Abstraktion ausgerichtete Präsentation hätte dem Werk sicher besser zu Gesicht gestanden.

Mittwoch (c) Julian Roeder

Alle Musiker, voran der Dirigent Maxim Pascal und das Ensemble Le Balcon, sowie der bereits erwähnte Chorleiter Jeremy Bines, brachten engagiert eine zumindest musikalisch geglückte Aufführung zustande.

Trotzdem kommt man zu dem Fazit, dass es sich hier bereits um ein Museumstück handelt, das seinen Platz in einem Museum der Moderne durchaus verdient hat. Und dort sollte man es belassen.

Fotos (c) Julian Roeder

Deutsche Oper Berlin +++ PREMIERE +++ 19. September, 2026

Karlheinz Stockhausen
Mittwoch aus Licht

Oper in einem Gruß, vier Szenen und einem Abschied von Karlheinz Stockhausen

Musik, Libretto, Aktionen und Gesten von
Karlheinz Stockhausen

Musikalische Leitung  Maxime Pascal

Dirigent Welt-Parlament Jeremy Bines

Regie  Susanne Kennedy
Bühnenbild  Markus Selg

Premiere Deutsche Oper Berlin, 19. September 2026

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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