Arnold Schönberg reiht sich endgültig unter die etablierten Komponisten ein

Arnold Schönberg reiht sich endgültig unter die etablierten Komponisten ein

Der Komponist Arnold Schönberg galt bis vor nicht allzu langer Zeit als enfant terrible der jüngeren Musikgeschichte, die von ihm entwickelte Zwölftontechnik stieß auf wenig Gegenliebe beim Konzertpublikum. Die Uraufführungen mancher seiner Werke gerieten in Wien seinerzeit zum Skandal, und mussten abgebrochen werden.

Nicht zuletzt durch die Gründung und Einrichtung des Arnold Schönberg Centers in Wien im Jahr 1998 wurde ein neues Kapitel der Rezeptionsgeschichte Schönbergs eingeleitet. Die dortigen Aktivitäten haben sicher Anteil an den gestiegenen Aufführungszahlen auch seiner Werke der atonalen Schaffensphase.

Schönbergs 150. Geburtstag war nun auch ein willkommener Anlass, den Komponisten Schönberg in die Reihe der bewährten Komponisten-Handbücher der Verlage Metzler und Bärenreiter aufzunehmen. Diese Tatsache markiert vielleicht endgültig die Etablierung Schönbergs im Kreis der großen, anerkannten Komponisten.

Die Herausgeber des gewichtigen Bandes zeichnen sich durch unbestreitbare fachliche Kompetenz aus. Andreas Meyer ist Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart, mit dem Forschungsschwerpunkt klassische Moderne. Therese Muxeneder ist seit 1998 Sammlungsleiterin des Wiener Schönberg-Institutes, davor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Internationalen Stiftung Mozarteum in Salzburg. Ulrich Scheideler war an der Herausgabe der Schönberg- Gesamtausgabe beteiligt, heute unterrichtet er Musiktheorie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Weitere namhafte Fachleute trugen mit Einzelartikeln zur Reichhaltigkeit des Bandes bei.

Arnold Schönbergs Bedeutung liegt neben seinen Kompositionen auch in seiner umfangreichen und erfolgreichen Lehrtätigkeit. Seine prominentesten Schüler waren Alban Berg und Anton von Webern, die ihrerseits bedeutende Karrieren entwickelten. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts betätigte sich Schönberg auch erfolgreich als Maler. Schwerpunkt seines bildnerischen  Schaffens waren Porträts und Selbstporträts. Auch diese Aspekte von Schönbergs Biographie werden umfangreich behandelt.

Wegen seiner jüdischen Herkunft geriet Schönberg durch das nationalsozialistische Regime in unmittelbare Gefahr und wurde zur Emigration gezwungen. Sein amerikanisches Exil und seine dortige Lehrtätigkeit sind akribisch dokumentiert.

Es gibt praktisch keinen Aspekt der komplexen Persönlichkeit Schönbergs und seines Schaffens, der in diesem Handbuch nicht behandelt wird. In insgesamt 24 Abschnitten wird Leben und Werk dieser Jahrhundert-Persönlichkeit umfassend gewürdigt. Es dürfte sich um die bisher umfangreichste Publikation über Schönberg handeln. Die Benutzung wird durch eine übersichtliche Gliederung erleichtert. Der Apparat für die Nutzer besteht aus einem Werkverzeichnis, einem Siglenverzeichnis, einem Verzeichnis der Autorinnen und Autoren, einem Nachweis der Bildquellen und Notenbeispiele, einem Personen- und Werkregister.

Ein umfangreicher, über den gesamten Inhalt verteilter Bildteil und zahlreiche Notenbeispiele sind eine wertvolle Ergänzung des Buches. Der Wissenschaft, aber auch dem interessierten Laien ist damit ein wertvolles Instrument zur Beschäftigung mit Arnold Schönberg in die Hand gegeben. Mit Sicherheit wird es auch zum besseren Verständnis dieses revolutionären Künstlers beitragen.

Schönberg Handbuch

Meyer/Muxeneder/Scheideler (Hg.)

Metzler
Bärenreiter

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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