Georg Philipp Telemanns Verpflichtung als Kapellmeister der Hamburger Oper am Gänsemarkt ging einher mit einer Neuausrichtung des Hauses. Als Auftakt komponierte der Meister unter dem Titel „Sieg der Schönheit“ auf ein bereits vorhandenes Libretto des erfolgreichen Operndichters Christian Heinrich Postel ein so umfangreiches Werk, dass bereits für die Uraufführung am 13. Juli 1722 einige Kürzungen vorgenommen werden mussten.
Nach deren großen Erfolg fanden bis in den November weitere Aufführungen statt, ebenso im folgenden Jahr, bis 1834 sind solche nachweisbar.
Bedauerlicherweise ist die Originalpartitur nicht erhalten geblieben, aber eine von Telemann für eine Braunschweiger Aufführung im Jahr 1728 erstellte Version existiert, und diente als Grundlage für die Rekonstruktion des Werkes und seine erneute Aufführung im Rahmen des Magdeburger Telemann- Festivals 2024, bei dem diese Aufnahme entstand.
Die Handlung in drei Akten behandelt die Verbindung des Feldherrn Gensericus mit der römischen Kaiserin Eudoxia in einer komplizierten, episodenreichen Form, deren roter Faden nicht ganz leicht zu durchschauen ist.
Sie bietet allerdings für zehn Solisten der verschiedensten Stimmlagen reichlich Gelegenheiten für große Arien, Duette und Ensembles, einige Chöre ergänzen die abwechslungsreiche Partitur. Telemanns Meisterschaft zeigt sich besonders in den virtuosen Arien, die an die Solisten höchste Anforderungen stellen.
Das Ensemble für die Magdeburger Aufführung wird ihnen eindrucksvoll gerecht. Dominik Köningers klangvoller Bariton überzeugt als Gensericus, als sein Sohn Honoricus kann sich der Countertenor Terry Wey profilieren. Dietrich Henschel als Turpino, Lydia Teuscher als Eudoxia, Sunhae Im und Anna Willerding als ihre Töchter Placidia und Pulcheria, der Tenor Ludwig Obst als Helmiges ergänzen die Besetzung.
Das renommierte Orchester der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Michael Hofstetter beweist erneut höchste Kompetenz und Stilsicherheit. Im Zusammenwirken mit der vorzüglichen Sängerbesetzung gelang so eine Aufführung, die absolut hörenswert ist, und echte musikalische Freude bereitet.
Georg Philipp Telemann
Sieg der Schönheit
Akademie für Alte Musik Berlin
Michael Hofstetter
cpo 555 693-2
zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de