Opera Rara präsentiert einen neuen Flugversuch von Puccinis „La Rondine“

Opera Rara präsentiert einen neuen Flugversuch von Puccinis „La Rondine“

Die Entstehungs- und Aufführungsgeschichte dieser späten Oper Puccinis ist äußerst komplex. Der Komponist hatte den Auftrag für eine neue Oper vom Wiener Carltheater erhalten, und begann 1914 mit der Komposition. Der zu dieser Zeit ausgebrochene erste Weltkrieg änderte aber die Situation, Österreich war auf einmal Feindesland, und der Vertrag mit Wien nichtig.

Die Komposition zog sich bis in das Jahr 1917, dann lehnte Puccinis Verleger Ricordi das Werk als „schlechten Lehár“ ab. Verlegt wurde es schließlich bei Sonzogno, und im März 1917 in Monte Carlo erfolgreich uraufgeführt. Das war aber noch keineswegs das Ende der Arbeit an dem Werk, nach der Uraufführung änderte Puccini noch einige Passagen, die letzte und endgültige Version entstand erst 1921.

Diese wurde nun erstmalig für Tonträger vom rührigen Label Opera Rara eingespielt. Die Aufnahmen fanden im Dezember 2025 in London statt. Für die Hauptrolle der Magda konnte Ermonela Jaho gewonnen werden, deren lyrischer Sopran ideal für Puccinis Kantilenen geeignet ist. Ihr schwebendes Piano und ihre facettenreiche Interpretation der Rolle machen sie zu einer Idealbesetzung.

Die weiteren Rollen sind nicht so prominent, aber in guter bis sehr guter Qualität besetzt. Ruggero, der Liebhaber Magdas, wird von Iván Ayón-Rivas mit lyrischem, aber kräftig auftrumpfendem Tenor glaubwürdig verkörpert.

Ellie Neate singt Magdas Zofe Lisette, ihr frischer Sopran ergänzt sich gut mit jenem von Jaho. Nicola Alaimo gibt den verlassenen Liebhaber Rambaldo mit sonorem Bariton. Der Dichter Prunier ist in dieser Version der Oper mit einem Tenor besetzt, Juan Francisco Gatell entledigt sich der Aufgabe mit individueller Stimmfärbung. In der Version von 1919 war diese Rolle für einen Bariton vorgesehen.

Die Besonderheit dieser Einspielung sind die hinzugefügten Ausschnitte aus der Version von 1919, die den Bariton Mattia Olivieri als Prunier präsentieren. Es war sicher nicht so beabsichtigt, aber die gut zwanzig Minuten hören sich interessanter an, als die spätere Endfassung.

Carlo Rizzi am Pult des BBC Symphony Orchestra erweist sich erneut als Spezialist für die italienische Oper, nicht nur dieser Epoche. Gut beschäftigt ist auch der vorzügliche Chor der BBC Singers.

Bei aller Freude über die gelungene Einspielung kann aber auch sie nicht davon ablenken, dass es sich bei „La Rondine“ um ein weniger starkes Werk Puccinis handelt. Man vermisst weitgehen die großen musikalischen Einfälle, den Wiedererkennungswert der Musik, ganz einfach die „Ohrwürmer“ mit denen Puccini sonst verwöhnt.

Giacomo Puccini
La Rondine

Final 1921 Version

Opera Rara ORC 66

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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