„Nabucco“ mit Netrebko in der Arena di Verona gerät musikalisch und szenisch ein wenig zäh

„Nabucco“ mit Netrebko in der Arena di Verona gerät musikalisch und szenisch ein wenig zäh
l

Giuseppe Verdis dritte, und erste erfolgreiche Oper, Nabucco, verdankt ihre Popularität nicht zuletzt dem unverwüstlichen Gefangenenchor, der im Italien der Uraufführungszeit 1842 politisch als Freiheitshymne instrumentalisiert wurde. Der Chor war es auch hauptsächlich, der zum Erfolg der Oper führte.

Eigentlich müsste diese Oper mit ihren zahlreichen Massenszenen besonders geeignet für die spektakuläre römische Arena in Verona sein. Eigentlich, wenn sich ein Regisseur gefunden hätte, der die etwas unübersichtliche Handlung strukturiert, und für optische Anreize gesorgt hätte. Stefano Poda, der dafür verantwortlich zeichnet, verheddert sich in der von Paolo Giani Cei erstellten Choreographie, die Chor und Statisten das Feld komplett überlässt. Cei hat auch das bescheidene Bühnenbild entworfen, es besteht lediglich aus von innen beleuchteten futuristischen Plastiken. Seine Kostümentwürfe können auch nicht wirklich überzeugen, selbst der Star der Aufführung, Anna Netrebko, wurde in ein wenig kleidsames Amazonen-Kostüm gezwängt, das ihr die Optik einer Peitsche schwingenden Domina verpasst.

Die Abigaille Netrebkos ist auch der größte von der an Trümpfen mangelnden Aufführung. Ihr großer, nach wie vor bombensicherer Sopran hat Farbe, Attacke und dominiert den Abend. Eine leicht getrübte Intonation zu Beginn legt sich bald.

Als Einziger auf ihrem Niveau singt der Bass Amartuvshin Enkhbat die Titelrolle. Den gebrochenen, gedemütigten König nimmt man ihm eher ab, als den siegreichen Feldherrn, aber das mag auch an seiner unvorteilhaften Optik liegen.

Der Rest der Besetzung schlägt sich tapfer, aber weder Gaetano Salas  als Ismaele, noch Francesca Di Sauro als Fenena können sich vokal profilieren, bleiben blass und unauffällig. Am ehesten kann sich noch Christian Van Horn als Zaccaria behaupten.

Der Chor, der in dieser Oper eine dominierende Rolle hat, singt durchaus differenziert, stellenweise vermisst man aber die musikalische Wucht, die speziell der Gefangenenchor für seine Wirkung braucht. Dafür, dass er in eher unkleidsamen Kostümen agieren muss, kann er nichts.

Altmeister Pinchas Steinberg leitet die Aufführung souverän, an manchen Stellen hätte man sich vielleicht mehr dramatische Zuspitzung gewünscht.

Während der zunehmend zähen 140 Minuten der Aufführung beginnt man sich zu fragen, ob diese Oper denn wirklich schon zu den Meisterwerken Verdis zu zählen ist. Außer besagtem Chor und jeweils einer großen Szene der Hauptfiguren bietet das Werk kaum Höhepunkte.

Giuseppe Verdi Nabucco

Anna Netrebko
Amartuvshin Enkhbat

Orchestra, Chorus,Ballet and
Technicians of the Arena di Verona

Staged by Stefano Poda
Conducted by Pinchas Steinberg

C major Unitel 773504

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

Menü schließen