Die 1732 im King’s Theatre am Londoner Haymarket uraufgeführte Opera seria stammt aus der mittleren Schaffensperiode des Komponisten. Sie war die drittletzte, die für das Theater am Haymarket geschrieben wurde, danach wurden Händels Opern im neuen Opernhaus Covent Garden uraufgeführt.
Den ursprünglich vorgesehenen Schauplatz Portugal verlegte Händel in ein imaginäres orientalisches Reich, angeblich um diplomatische Irritationen zu vermeiden. Das Werk wurde vom Publikum positiv aufgenommen, und erlebte mehrere ausverkaufte Vorstellungen. Das Drama um den König Haliate und seinen Söhnen, den Stiefbrüdern Melo und Argone bietet für insgesamt sieben Solisten reichlich Gelegenheit zu virtuosen Arien, auch drei Duette sind zu hören, in Händels Opern eher eine Seltenheit.
Die Besetzung der im Dezember 2024 im Salon d’Hercule des Versailler Schlosses stattgefundenen Einspielung folgt weitgehend den Stimmtypen der Uraufführung. Der Titelheld Sosarme wird vom Countertenor Rémy Brès-Feuillet markant gesungen, die Halbbrüder Melo vom Counter Nicolò Balducci, in der Uraufführung war die Rolle eine Altistin, als Argone ist Logan Lopez Gonzalez,ebenfalls Countertenor besetzt.
Haliates Gattin Erenice findet in der Mezzosopranistin Éléonore Pancrazi eine ebenso virtuose Interpretin, wie ihre Tochter Elmira, die von Sarah Charles mit extremen Höhen ausgestattet wird. In der Tenorpartie des Königs Haliate ist Marco Angioloni zu hören, der auch das Orchestre de l’Opera Royal leitet, eine durchaus ungewöhnliche Kombination.
Allen Beteiligten gelingt eine ausgewogene Gesamtleistung, wobei die kluge Mischung der Stimmtypen- und Farben die komplizierte Handlung akustisch transparenter erscheinen lässt. Die wie gewohnt opulente Ausstattung des Labels Chateau de Versailles Spectacles erfreut das Auge.
Haendel
Sosarme
Orchestre de l’Opera Royal
Marco Angioloni
CVS 160
zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de