Den Komponisten Max Bruch kann man eindeutig dem Stil der Spätromantik zuordnen – als er 1920 starb, war sein Werk bedauerlicherweise schon etwas aus der Zeit gefallen.
Seinen größten Erfolg konnte er mit dem ersten von drei Violinkonzerten feiern, zu seinem eigenen Ärger überstrahlte die Popularität dieses Werkes sein gesamtes Schaffen. Die soeben auf 5 CDs beim Label Hänssler Classic erschienene Edition fasst Aufnahmen verschiedener Werke des Komponisten in zum Teil bereits historischen Aufnahmen zusammen, und bildet damit die Vielfalt des Werkes von Bruch ab.
Das erste Violinkonzert erklingt in einer Aufnahme mit der Solistin Pamela Frank, Sir Neville Marriner dirigiert die Academy of St. Martin in the Fields, die schwere Süße des Werkes, aber auch seine spieltechnischen Herausforderungen werden gleichermaßen bedient.
Das zweite Violinkonzert spielt Mikhail Pochekin, Sebastian Tewinkel und die Württembergische Philharmonie Reutlingen malen die spätromantischen Farben üppig aus, aber auch die engagierte Interpretation kann nicht verbergen, dass das zweite Konzert dem ersten an musikalischen Einfällen deutlich unterlegen ist. Leider fehlt in der Edition das dritte, das sich mit jenem eher messen kann.
Der Kammermusiker Bruch hat sich in zahlreichen Formationen versucht, in der Edition sind eine ganze Reihe von Stücken für die Besetzung Klarinette, Cello und Klavier enthalten, die vom Budapest Piano Trio meisterhaft interpretiert werden.
Zu den erfolgreichsten Kompositionen Bruchs zählt sein Kol Nidrei, dieses jüdische Gebet , für Cello solo und Orchester geschrieben, erklingt hier in einer Live-Aufnahme mit der Solistin Françoise Groben, die vom Orchestre de chambre du Luxembourg unter Nicolas Brochot stilsicher begleitet wird. Das Klaviertrio in c-moll rundet die Kammermusik-Edition ab.
Zwei der fünf CDs sind dem weltlichen Oratorium nach Schiller, „Das Lied von der Glocke“ vorbehalten. Hier wird auf eine Aufnahme aus der Dresdner Kreuzkirche zurückgegriffen, die 1985 entstand. Vokal sticht hier der Sopran von Ute Selbig positiv aus den Solisten heraus, der Singakademie Dresden, verstärkt durch Mitglieder des Staatsopernchores, und der Dresdner Philharmonie unter Hans-Christoph Rademann gelingt eine atmosphärisch dichte Aufführung, die Bruchs Talent für Vokalmusik hörbar macht.
Höhepunkt und die beste Einspielung der Edition ist die bereits 1962 in London aufgenommene Schottische Fantasie. Der inzwischen legendäre Dirigent Jascha Horenstein dirigiert das London Symphony Orchestra, David Oistrakh verleiht dem Solopart genau die spätromantische Schwermut und in den folkloristischen Passagen die Brillanz, die das Stück so interessant und erfolgreich machten.
Ein wahrer Hörgenuss, was eigentlich für die gesamte Edition gilt, die einmal mehr zeigt, wie sehr der Komponist Bruch heute notorisch unterschätzt wird. Noch gäbe es viele weitere, fast vergessene seiner Werke neu zu entdecken.
Max Bruch Edition
5 CD Hänssler Classic HC25058
zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de