Der Komponist Gustav Mahler konnte dieses Werk, ebenso wie seine
9. Symphonie, selbst nicht mehr hören, Bruno Walter leitete 1911 und 1912 die jeweiligen Uraufführungen.
„Das Lied von der Erde“, eine Vertonung alter chinesischer Lyrik in der Nachdichtung von Hans Bethge, ist nur schwer einer Gattung zuzuordnen. Mahler selbst wollte es als Symphonie für Singstimmen verstanden wissen, man könnte es aber ebenso als Kantate oder Oratorium bezeichnen. Seit der Münchner Uraufführung hat sich das Werk einen bleibenden Platz im Repertoire gesichert, eine große Zahl von prominenten Sängern hat das Stück gesungen, auch an Einspielungen herrscht kein Mangel.
Nun hat sich aktuell der Dirigent François-Xavier Roth in die lange Liste der Interpreten eingereiht. Mit dem auf Originalinstrumenten der Zeit spielenden Ensemble Les Siècles gelingt ihm eine bemerkenswert intime Realisierung der Partitur.
Von entscheidender Bedeutung für eine Aufführung sind die beiden Solisten. In dem Tenor Andrew Staples und der Mezzosopranistin Marie-Nicole Lemieux stehen Roth hervorragende Stimmen zur Verfügung.
Beide Sänger, obwohl keine Muttersprachler, lassen die anspruchsvollen Texte gut verständlich hören. Staples verfügt über ein markantes, sehr persönliches Timbre und wird der sonst oft von Heldentenören gesungenen Partie durchaus gerecht. Marie-Nicole Lemieux verströmt ihren vollen, satten Mezzosopran, das finale Lied „Der Abschied“ wird zum Höhepunkt der Einspielung und erreicht durch Lemieux’ Interpretation eine berührende Intensität.
Roths Auffassung des Werkes ist eher lyrisch orientiert, verstärkt noch durch den ungewohnt klingenden Einsatz historischer Instrumente. Der einzige Nachteil ist, dass sich das spätromantisch-schwelgerische der Musik nicht recht einstellen will.
In jedem Fall aber ist die Einspielung aber eine willkommene Bereicherung der umfangreichen Diskographie dieses Werkes.
Gustav Mahler
Das Lied von der Erde
Marie-Nicole Lemieux
Andrew Staples
François-Xavier Roth
Les Siècles
HMM 902740
zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de