Lise Davidsens Hommage an ihren Landsmann Edvard Grieg

Lise Davidsens Hommage an ihren Landsmann Edvard Grieg

Die Sopranistin Lise Davidsen ist seit dem Gewinn von Placido Domingos Gesangswettbewerb Operalia im Jahr 2015 in Riesenschritten auf dem Weg zum Weltruhm. In bemerkenswert kluger Weise baut sie ihre Karriere auf, vermeidet tunlichst einen zu frühen Einstieg in das hochdramatische Fach, obwohl Volumen und Technik ihrer Stimme sie dafür prädestiniert erscheinen lassen.

Neben der Oper widmet sie sich auch dem Liedgesang, einer fast schon aussterbenden Kunst. Dass sie bei dem soeben veröffentlichten Recital den Fokus vollständig auf ihren Landsmann Edvard Grieg lenkt, scheint ihr eine Herzensangelegenheit zu sein, entsprechend engagiert und authentisch ist das Resultat.Griegs Liederzyklus Haugtussa zählt in seiner Heimat zu seinen populärsten Werken, für Hörer, die des Norwegischen nicht mächtig sind, erschließt sich der Reiz der romantischen Lieder nur bedingt. Das Kunstlied wirkt doch auch durch seinen Text, bleibt ohne dessen Verständnis abstrakt. Davidsen entschädigt dafür aber mit ihrer ausdrucksstarken Diktion, ihrem sehr differenzierten Umgang mit dem Notentext. Da wird die Dramaturgie der Lieder dann doch noch nachvollziehbar, was nicht zuletzt auch an dem großartigen Leif Ove Andsnes liegt, der nicht nur Klavierbegleiter, sondern Mitgestalter dieses Recitals ist.

Edvard Grieg hat aber auch Lieder nach Texten deutscher Dichter geschrieben. Die sechs Lieder op.48 auf Texte von Heine, Geibel, Uhland, Goethe u.a. zeigen Davidsen auch als Gestalterin der unterschiedlichen Texte, die sie mit optimal geführter Stimme singt, dabei den Einsatz ihrer stimmlichen Mittel klug dosiert. Andsnes ist ein optimaler Begleiter, sensibel partnerschaftlich und von großer Kompetenz.

Es ist kein Zufall, dass Lise Davidsen derzeit mit einem Liedprogramm in mehreren Städten Europas gastiert. Gerade war sie in Berlin zu Gast, auch hier lag der Schwerpunkt des Abends auf den Liedern Edvard Griegs. Eine bessere Botschafterin kann sich Grieg und Norwegen nicht wünschen!

Lise Davidsen
Leif Ove Andsnes
Edvard Grieg

DECCA 485 2254

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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