Seit dem Gewinn des Operalia- Wettbewerbes 2015 kennt die Karriere der Norwegerin Lise Davidsen nur eine Richtung: steil nach oben. Frühzeitig nahm auch die New Yorker Metropolitan Opera sie unter Vertrag, wo sie 2023 einen Solo-Abend gab, der nun auf CD erscheint.
Davidsen zeigt dabei eindrucksvoll ihre Vielseitigkeit und Stilsicherheit. Auf das Gebet der Tosca und die Arie der Amelia aus Verdis „Maskenball“ folgen Lieder von Richard Strauss und Franz Schubert, danach eine Gruppe Lieder von Jean Sibelius. Auf ungewöhnliches Terrain wagt sie sich mit Kalmans „Czardasfürstin“, Lowes „My fair Lady“, ehe sie mit der Hallenarie aus „Tannhäuser“ zu ihrem üblichen Repertoire zurückkehrt, danach das Konzert mit einem Lied des Landsmannes Edvard Grieg beschließt.
So unkonventionell diese Zusammenstellung auch erscheint, Davidsen zieht ihr Publikum in dem 3800 Zuschauer fassenden Saal in ihren Bann und löst Begeisterungsstürme aus. Es gelingt ihr, das große Volumen ihres Soprans sehr differenziert einzusetzen. Erstaunlich, wie mühelos sie von Verdi zu Richard Strauss, später von Sibelius zu Kalman und „My fair Lady“ springt, dabei jeweils genau den richtigen Stil findet. Ihr Timbre könnte man als Goldbronze beschreiben, dunkel leuchtend mit strahlenden oberen Registern.
Die Spitzentöne erreicht sie ohne zu forcieren , ihre Interpretationen sind stimmig und souverän ausgeführt. Ihr Begleiter James Baillieu bietet ihr eine sichere musikalische Basis und trägt damit wesentlich zum Gelingen des Konzertes bei.
Lise Davidsen scheint bereits jetzt ein Liebling des verwöhnten New Yorker Publikums zu sein. Inzwischen ist sie Mutter von Zwillingen geworden, und wird in diesem Monat Wagners Isolde in einer Neuinszenierung verkörpern. Der Mitschnitt des Konzertes vom September 2023 ist eine eindrucksvolle Visitenkarte der Künstlerin, und zeigt sie bereits auf höchstem vokalen Niveau.
Lise Davidsen
Live at the Met
James Baillieu
Decca 487 0691
zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de