Lise Davidsen setzt ihren Weg an die Weltspitze fort

Lise Davidsen setzt ihren Weg an die Weltspitze fort

Nach ihrer Babypause und ihrem erfolgreichen Isolden-Debüt veröffentlicht Lise Davidsen nun ein ausschließlich Verdi gewidmetes Album. Die Aufnahmen dazu erfolgten im Januar 2025, also während Davidsens Zwillings-Schwangerschaft, so nutzte die Sängerin ihre Bühnenabstinenz für eine sorgfältige Studio-Arbeit.

Dass sie dabei ausschließlich auf Verdi fokussiert ist, entspricht ihrem aktuellen und zukünftigen Repertoire, gleichzeitig ist es ein Statement gegen die Vereinnahmung als hochdramatische Wagnersängerin. Sie erinnert damit an ihre große Vorgängerin Birgit Nilsson, die bewusst zwischen vielen Wagner-Aufführungen mehrere Verdi-Partien für die Schallplatte eingesungen hatte.

An den Anfang stellt die Sängerin drei Szenen der Lady Macbeth, zeichnet damit die Entwicklung der Figur innerhalb der Handlung nach. Davidsens dunkles, samtenes Timbre passt hervorragend zu dieser fordernden Partie, großartig, wie sie Spitzentöne aus dem Piano entwickelt. Der Amelia im „Maskenball“ verleiht sie den dramatischen Aplomb der Galgen-Szene ebenso, wie die Schwermut der Arie aus dem dritten Akt.

Die Szene und Arie der Leonora aus der „Forza del Destino“ gibt ihr Gelegenheit, auch ihre lyrischen Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Assistiert wird sie dabei von den Apollo-Voices, einem vorzüglichen Londoner Chor.

Die Elisabetta im „Don Carlos“ darf ihre große Arie erst im letzten Akt der Oper singen, was in szenischen Aufführungen problematisch sein kann, aber im Studio keine Rolle spielt. Davidsen zeichnet die Bögen und Kantilenen mit großem Volumen und perfekten Registerwechseln nach und erweist sich erneut als intensive Gestalterin.

Am Ende steht noch die erste der beiden Aida-Arien, diese Rolle will Davidsen zumindest vorerst nicht auf der Bühne singen, lotet aber im „Ritorna Vincitor“ die komplexe Persönlichkeit der Titelheldin aus.

Begleitet vom London Philharmonic Orchestra unter der stilsicheren Leitung von Edward Gardner entfaltet Lise Davidsen ein wahres Füllhorn an subtilen Ausdrucksmöglichkeiten, technischer Sicherheit und gestalterischer Intensität. Längst ist die Künstlerin in die allererste Reihe der Sopranistinnen gerückt, seit ihrem Sieg beim Operalia-Wettbewerb kennt ihre Karriere nur noch eine Richtung, nämlich steil nach oben. Diese geglückte CD ist ein weiterer Schritt an die Weltspitze!

Lise Davidsen
Verdi

London Philharmonic Orchestra
Edward Gardner

Decca 487 2241

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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