Herbert Schuch kombiniert Beethoven und Schulhoff auf raffinierte Weise

Herbert Schuch kombiniert Beethoven und Schulhoff auf raffinierte Weise

Die Komponisten Beethoven und Schulhoff auf einer CD vereint? Was auf den ersten Blick befremdet, macht auf den zweiten durchaus Sinn. Der Pianist Herbert Schuch liebt solche Paarungen, in diesem Fall gerät sie besonders interessant.

Beethovens erstes Klavierkonzert wird zu Beginn inklusive der ausladenden, vom Komponisten erst später hinzugefügten Kadenz wiedergegeben. Als zweites Werk wird ihm Erwin Schulhoffs Klavierkonzert mit kleinem Orchester op.43 gegenübergestellt, das 1923 in Berlin entstand. Im gleichen Jahr komponierte Schulhoff , der selbst als begnadeter Pianist galt, eine eigene Kadenz für Beethovens Konzert in C-Dur. Diese bildet mit dem kompletten ersten Satz den Schlusspunkt der Einspielung.

Der Titel „Berlin 1923“ ist insofern zutreffend, weil das Entstehungsjahr der Kompositionen Schulhoffs für jene, von Unruhe und Lärm erfüllte Zeit in der pulsierenden Großstadt Berlin steht. Einflüsse des Jazz sind nicht zu überhören, auch impressionistische und spätromantische Elemente kann man heraushören, sie verschmelzen zu einer individuellen Mischung, welche die Originalität von Schulhoffs Tonsprache wirkungsvoll demonstriert.

Obwohl ausdrücklich für kleines Orchester konzipiert, geriet Schulhoff die Instrumentierung seines Klavierkonzertes so massiv, dass der Pianist Herbert Schuch für diese Aufnahme kleinere, behutsame Modifizierungen vornahm. So ist gewährleistet, dass der Klavierpart nicht hinter dem Schlagwerk akustisch verschwindet.

Herbert Schuch wird beiden so unterschiedlichen Komponisten und Werken hervorragend gerecht, er setzt seine pianistische Feinfühligkeit wirkungsvoll in filigrane Technik um und kann in beiden Stilen überzeugen.

Ein kongenialer Partner ist ihm dabei der taiwanesische Dirigent Tung-Chieh  Chuang, der das WDR Sinfonieorchester leitet, Schuch arbeitete bereits bei mehreren CD-Produktionen mit Chuang und dem Orchester zusammen. Die Aufnahmen fanden bereits zu Ende des Jahres 2021 in der Kölner Philharmonie statt, die mit ihrer vorzüglichen Akustik für die Einspielung so anspruchsvoller Stücke ein idealer Ort sind.

Der Wert dieser CD für die Rezeption des Komponisten Schulhoff ist immens, der 1942 in Internierungshaft mit gerade einmal 48 Jahren gestorbene Komponist gilt vielfach noch immer als Geheimtipp, eine stärkere Verbreitung seiner Werke wäre zu wünschen.

Berlin 1923

Herbert Schuch

Schulhoff
Beethoven

Piano Concertos

WDR Sinfonieorchester
Tung-Chieh Chuang

AvI

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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