Diese Aufführung von Gounods Goethe-Oper fand am Madrider Teatro Real im Rahmen der 200. Spielzeit des Opernhauses im Jahr 2018 statt.
Für die anspruchsvollen Gesangspartien dieser Oper war eine internationale Besetzung von großer Prominenz aufgeboten, einer glanzvollen Produktion schien nichts im Wege zu stehen. Als Regisseur verpflichtete man Àlex Ollé von La Fura del Baus, der für die inszenierung eine sehr verzichtbare Rahmenhandlung erfand. In einem Labor wird ein „Homunculus Project“ vorangetrieben, womit auf Goethe Bezug genommen wird, ohne damit einen Mehrwert für die Aufführung zu erzielen.
Ollés Personenführung ist durchaus professionell, er charakterisiert die Protagonisten stimmig, und führt die Sänger sicher durch ihre dramatischen Rollen. Zum Ärgernis der Aufführung werden neben den wenig ansprechenden, zu abstrakten Bühnenbildern von Alfons Flores die Kostüme Lluc Castells’.
Während Faust, Marguerite und Marthe, wie auch der junge Siebel, Alltagskleidung tragen, ist der Chor in peinliche Kostüme gezwängt. Männer im Sportdress, alle Frauen ausnahmslos mit überdimensionierten künstlichen Brüsten, was extrem sexistisch, und dazu noch lächerlich wirkt. Einen Tiefpunkt erreicht die Inszenierung in der Walpurgisnachtszene, wenn Männer im Tütü tanzen, Ringkämpfe veranstalten, und Marguerite ihren Säugling auf offener Szene ertränkt. Das ist einfach schlechter Geschmack, und wenig originell.
Musikalisch kann die Aufführung, die von Dan Ettinger umsichtig und souverän geleitet wird, sehr viel mehr überzeugen. Piotr Beczała befand sich zu dem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seiner Karriere, sein technisch perfekt eingesetzter Tenor kann sowohl in den lyrischen, als auch den dramatischen Passagen als Faust überzeugen und sein ansprechendes Timbre als Trumpfkarte einsetzen.
Als sein teuflischer Gegenspieler trumpft Luca Pisaroni mit sonorem Bass auf, und bietet ein stimmiges Rollenporträt. Stéphane Degouts Valentin verströmt seinen wohlklingenden Bariton großzügig.
Nahezu perfekt meistert Marina Rebeka die Partie der Marguerite. Sowohl schauspielerisch, als auch gesanglich trifft sie die Figur des verführten und zu Grunde gehenden unschuldigen Geschöpfes auf den Punkt. Ihr heller Sopran hat mit der anspruchsvollen Partie keinerlei Probleme, man erlebt ungetrübten Wohlklang.
Eine interessante Charakterstudie bietet Sylvie Brunet-Grupposo als Marthe, beeinträchtigt nur durch ihre groteske künstliche Oberweite. Serena Malfi verleiht der Hosenrolle des Siebel lyrischen Wohlklang. Wieder ist man mit einer Aufführung konfrontiert, deren Optik den musikalischen Genuss stark beeinträchtigt, die man vielleicht besser mit geschlossenen Augen genießen kann.
Charles Gounod Faust
Piotr Beczała Faust
Luca Pisaroni Méphistophélès
Marina Rebeka Marguerite
Stéphane Degout Valentin
Àlex OlléRegisseur
Alfons Flores Bühnenbilder
Lluc Castells Kostüme
Orchestra and Chorus of the Teatro Real
Dan Ettinger Dirigent
C-major 771204
zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de