Golda Schultz erobert das Berliner Publikum mit noch nie gehörten Liedern

Golda Schultz erobert das Berliner Publikum mit noch nie gehörten Liedern

Zuletzt hatte man die aus Südafrika stammende Sängerin in Berlin im Januar bei einer Aufführung von Gustav Mahlers 8. Symphonie erleben können, ihr Liederabend im Pierre-Boulez-Saal gab ihr nun Gelegenheit, mit einem höchst anspruchsvollen Programm ihre solistischen Qualitäten unter Beweis zu stellen.

Sie setzt einen Zyklus von Liedern des amerikanischen Komponisten George Crumb an den Beginn, der auf Texte Walt Whitmans komponiert wurde. Zusätzlich zu den Liedern in düsterer Stimmung überrascht der Zyklus mit drei Vocalisen, die Schultz technisch atemberaubend virtuos zu Gehör bringt.

Auch die folgenden drei Lieder Clara Schumanns haben eher traurigen Charakter, und folgen so dem Motto des Abends: Dark Matters. Erfreulich registriert man, dass Clara Schumann zunehmend als eigenständige Komponistin wahrgenommen wird, und immer deutlicher aus dem Schatten ihres Ehemannes Robert tritt.

Ebenfalls mit drei Liedern ist die erst kürzlich wieder entdeckte amerikanische Komponistin Florence Price vertreten, ehe Johannes Brahms’ selten gehörte Ophelia-Lieder nach Shakespeare eine zarte Andeutung der unglücklichen Liebe des Komponisten zu Clara Schumann ins Spiel bringen. Drei Lieder der französischen Komponistin Rita Strohl bringen eine dritte Sprache in das Programm ein, und leiten über zu den ikonischen vier letzten Liedern von Richard Strauss.

Diese letzten Vokalkompositionen des Komponisten haben seit ihrer posthumen Uraufführung 1950 große Popularität erreicht. Sie werden nur selten mit Klavierbegleitung aufgeführt, aber man bemerkt schnell, dass diese reduzierte Begleitung den Liedern gut zu Gesicht steht. Die vokale Raffinesse der Gesangslinie geht häufig in der großen Besetzung des Originals unter, hier tritt sie deutlicher hervor und trägt auch zur Verständlichkeit der schönen Gedichte von Hermann Hesse und Eichendorff bei.

Dem Pianisten verlangt diese Version sehr viel ab, der großartige Jonathan Ware kann hier seine brillante Technik einsetzen, unvergesslich sein Gezwitscher der Lerchen am Ende des letzten Liedes.

Golda Schultz und Jonathan Ware sind ein eingespieltes Team, und haben dem Publikum trotz aller Düsternis der Lieder einen großartigen Abend beschert, das sich mit langem, herzlichen Applaus bedankt.

Golda Schultz & Jonathan Ware
Dark Matters

Lieder von George Crumb, Clara Schumann, Florence Price, Johannes Brahms, Rita Strohl und Richard Strauss

Pierre-Boulez-Saal Berlin, 5. März 2026

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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