Germinal Hilbert erlaubt tiefe Einblicke in das Management von Sängerkarrieren

Germinal Hilbert erlaubt tiefe Einblicke in das Management von Sängerkarrieren

Jeder Opernfreund hat sich sicher schon öfter gefragt, wie Sängerkarrieren zustande kommen, wie sie gemanagt werden, oder wie die Sänger an ihre Engagements kommen.

Einer der prominentesten Agenten, Germinal Hilbert, hat nun seine Erinnerungen an fünfzig Jahre Tätigkeit für Künstler und Opernhäuser in einem Buch rekapituliert, das sich wie ein who’s who der jüngeren Operngeschichte liest.

Von Paris und der Münchner Maximilianstraße aus betreute seine Agentur in ihren besten Zeiten Weltstars wie Birgit Nilsson, Leonie Rysanek, Jessye Norman, Edita Gruberova, um nur einige zu nennen. Über den teilweise heiklen Umgang mit diesen Größen weiß Hilbert interessant zu plaudern, wobei er stets loyal und respektvoll bleibt. Man erfährt als Leser doch Einiges mehr über die prominenten Sänger, wobei Hilbert bestimmt nicht alles verrät, was er weiß.

Was das Buch aber noch interessanter macht, ist die Schilderung der Tätigkeit eines Agenten. Er geht detailreich auf die zahlreichen Aspekte dieses nur vage definierten Berufes ein und beschreibt, durchaus humorvoll, in was für heikle Situationen man dabei kommen kann. Gleichzeitig beschreibt er die Aspekte von Schallplatten-Produktionen, die sich wandelnde Medienwelt, widmet ein ganzes Kapitel dem kontroversen Thema Musiktheater-Regie, wobei er klar seine Favoriten auf diesem Gebiet benennt.

Geradezu nüchtern beschreibt er Tücken und Probleme des Sängerberufes, und gibt dabei wertvolle Hinweise für angehende Opernsänger.

Natürlich wird auch das Thema Wettbewerbe angesprochen, auch hier hat Hilbert gute Ratschläge für Betroffene, und interessante Hintergrundinformationen für Interessierte bereit. Was für den Autor einnimmt, ist die Empathie für seine Schützlinge, seine faire Einschätzung künstlerischer Leistungen.

Das Buch enthält auch eine Liste der von der Agentur Hilbert vertretenen Sänger und Dirigenten, die tatsächlich sehr eindrucksvoll ist. Es finden sich darin nicht nur aktuelle Künstler, eine große Zahl von Sängern ist leider bereits verstorben, oder hat die Karriere beendet. Deshalb sind die Insider-Geschichten über diese eher für die Generation des Autors interessant.

Insgesamt bietet es aber aufschlussreiche Einblicke, nicht nur in die künstlerischen Berufe, sondern auch auf die Tätigkeit eines Agenten. Nicht zuletzt ist es auch eine durchaus vergnügliche Lektüre.

Germinal Hilbert
Mein Leben mit den Stars der Oper

Westend

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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