Albrechts Monographie würdigt nicht nur den Pianisten Friedrich Gulda

Albrechts Monographie würdigt nicht nur den Pianisten Friedrich Gulda

Mehr als ein Vierteljahrhundert liegt der Tod des berühmten Pianisten Friedrich Gulda bereits zurück. Ungebrochen ist sein Nachruhm, aber auch die Legendenbildung um seine kontroverse Persönlichkeit. So gesehen kommt Rüdiger Albrechts tief schürfende Monographie zur rechten Zeit, ehe Guldas Name zu verblassen droht.

Gulda, 1930 in eine Wiener Lehrerfamilie geboren, brach frühzeitig die Schule ab, um sich ganz seiner pianistischen Laufbahn zu widmen, die sich nach dem Sieg bei einem Wettbewerb in der Schweiz 1946 rasch entwickelte. Innerhalb weniger Jahre stieg der Pianist zu einem der erfolgreichsten Interpreten seiner Zeit auf. Die Werke Beethovens und Mozarts bildeten lebenslang den Schwerpunkt seiner Konzerttätigkeit.

Spätestens seit der Mitte der 1950er Jahre verstärkte sich seine Hinwendung zum Jazz, die bis zu seinem Tod anhielt. In der Folge verweigerte Gulda sich immer mehr dem klassischen Konzertbetrieb, suchte nach neuen Ausdrucksformen und wurde mehr und mehr zum enfant terrible der Musikszene.

Albrecht konzentriert sich hauptsächlich auf die künstlerische Entwicklung Guldas, trotzdem wird auch das komplizierte Privatleben des Pianisten nicht ausgespart, das ja teilweise auch seine Karriere beeinflußte. Beginnend mit dem Gewinn des Genfer Musikwettbewerbes wird die rasante Entwicklung seiner pianistischen Laufbahn detailreich nachgezeichnet. In den Schilderungen begegnet man auch vielen der wichtigen Protagonisten der klassischen Musikszene jener Zeit. Guldas Aufnahmetätigkeit für die Schallplatte wird ebenso behandelt, wie seine Freundschaften mit anderen Künstlern. Nicht zuletzt entsteht so ein lebendiges Bild der Wiener Musikszene.

Einen Schwerpunkt bildet Guldas Liebe zum Jazz, und der späteren Beschäftigung mit verschiedensten Formen der Freien Musik. Damit entfernte Gulda sich mehr und mehr aus dem konventionellen Musikbetrieb und sorgte auch für einige Skandale bei seinen Auftritten. Auch der Komponist Gulda wird ausführlich gewürdigt, sein umfangreiches Schaffen analysiert.

Rüdiger Albrecht gelingt es, in einer detailreichen, trotzdem komprimierten Form die schillernde Persönlichkeit des Pianisten und sein Umfeld lebendig werden zu lassen. Sowohl für Verehrer Guldas, aber auch für die nachgeborene Generation von Musikliebhabern bietet das Buch eine Fülle von Informationen und Details. Es ist flüssig und gut lesbar geschrieben, und weist den Autor als kompetenten Kenner Friedrich Guldas aus.

Rüdiger Albrecht
Friedrich Gulda
Pianist- Musiker- Freigeist

et+k

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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