Christian Thielemann, seit zwei Jahren GMD der Berliner Staatsoper Unter den Linden wird gelegentlich für die Überschaubarkeit seines Repertoires kritisiert. Wenn es um die Musik von Richard Strauss geht, ist Thielemann aber Experte, und aktuell wohl sein bester Interpret.
In Vorbereitung der Asien-Tournee des Orchesters wurden zwei besonders spektakuläre Werke einstudiert. Die erst posthum uraufgeführten vier Lieder auf Texte von Hermann Hesse und Eichendorff haben sich zu einem Kabinettstück für Sopranistinnen entwickelt, die Zahl der prominenten Interpretinnen ist kaum mehr überschaubar.
In diesem Konzert nahm nun Diana Damrau die Herausforderung an, und konnte mit ihrem reifen, aber sicher geführten Sopran eine sehr akzentuierte und individuelle Interpretation bieten. Nur einzelne exponierte hohe Töne gerieten etwas trocken, was aber den positiven Gesamteindruck nicht wirklich trüben konnte. Thielemann begleitete die Sängerin subtil und umsichtig.
Die Alpensinfonie ist die letzte, erst 1915 uraufgeführte große Tondichtung von Richard Strauss. Die detaillierte Schilderung einer Bergbesteigung in den Alpen ist mit ihrer raffinierten Instrumentierung ein richtiges Schaustück für ein virtuoses Orchester. Der Komponist ist nicht zuletzt für seine Instrumentationskunst berühmt, in der Alpensymphonie zeigt er sich auf dem Gipfel seiner Kunst. Selbst für ein Spitzenorchester wie die Berliner Staatskapelle stellt diese komplexe Partitur eine Herausforderung dar.
Es fasziniert, wie Strauss Naturgeräusche bestimmten Instrumenten zuordnet, von dem Rieseln einer Quelle, über Vogelstimmen, bis zu Gewitter und Sturm reicht die Palette feiner instrumentaler Details. Vielfach wird das Werk auch als nur vordergründig eine Bergtour schildernd angesehen. Man kann es durchaus auch als einen geschlossenen Lebenskreis zwischen Auf- und Abstieg interpretieren.
Die Berliner Staatskapelle zog alle Register ihres Könnens und begeisterte mit ihren Musikern, die alle Solistenqualitäten besitzen. Christian Thielemann feuerte die Staatskapelle kräftig an, und erreichte eine ungeheuer dichte Interpretation, die sich geradezu rauschhaft entwickelte. Man konnte förmlich spüren, wie sich die in der Musik vorhandene Energie vom Dirigenten über das Orchester ins Publikum ausbreitete, und die Zuhörer zu stehenden Ovationen veranlasste. Das war Orchesterkultur der Extraklasse!
Christian Thielemann ©Matthias Creutziger
Staatskapelle Berlin
Christian Thielemann Dirigent
Diana Damrau Sopran
Richard Strauss, Vier letzte Lieder
Eine Alpensinfonie op.64
Staatsoper Unter den Linden, 20. Oktober 2026
zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de