„La Forza del Destino“ mit Anna Netrebko an der Scala: Die Schrecken des Krieges sind zeitlos

„La Forza del Destino“ mit Anna Netrebko an der Scala: Die Schrecken des Krieges sind zeitlos

Verdis „Forza del Destino“ entstand als Auftragswerk für St. Petersburg, für die Erstaufführung an der Scala di Milano 1869 arbeitete der Komponist die Oper um.

Heute zählt sie zu den häufig gespielten seiner Werke, dankbare Rollen für die Sänger und eine abwechslungsreiche Handlung tragen zur Popularität dieser Oper bei. Für die Mailänder Neuinszenierung 2024 führte Leo Muscato Regie, die Bühnenbilder stammen von Federica Parolini. Wenig sinnstiftend ist die Idee, die Handlung vom ursprünglichen frühen 19. Jahrhundert Akt für Akt weiter in die Gegenwart zu verlegen. Außer unterschiedlichen Uniformen und Waffen der zahlreich auftretenden Soldaten hat das keinen Einfluss auf die Handlung, schließlich handelt es sich ja um die gleichen Protagonisten. Und Plastikeimer im finalen vierten Akt sind nun wirklich kein Gewinn für die Ästhetik des Bühnengeschehens.

Riccardo Chailly hält die musikalischen Fäden der Aufführung in sicheren Händen, nicht zuletzt ist er ein sensibler Begleiter für die Sänger und sorgt auch für sichere Einsätze des Chores, der in dieser Oper häufig eingesetzt wird, geht es doch zum Teil um militärische Auseinandersetzungen in einem nicht näher definierten Krieg, der in einigen Szenen sehr realistisch das durch ihn ausgelöste Leid thematisiert. Das Lob des Krieges übernimmt die Marketenderin Preziosilla, die durch Vasilisa Berzhanskayas Mezzo ein sprödes, aber stimmiges Profil erhält.

Der Auslöser des Dramas, die gescheiterte Entführung der Donna Leonora durch Alvaro, einen ihrer Familie nicht genehmen Mann, bei der Leonoras Vater unabsichtlich erschossen wird, führt alle Beteiligten, so auch Leonoras rachsüchtigen Bruder Carlos über vier Akte ins Verderben.

Alvaro wird vom amerikanischen Tenor Brian Jadge mit gut fokussiertem Spinto-Tenor eindringlich gesungen und gestaltet. Als sein Gegenspieler Carlos liefert Ludovic Tézier ein passables, aber völlig leidenschaftsloses und trockenes Porträt ab, das erst in der großen Arie und Stretta des dritten Aktes an Profil gewinnt. Schmerzlich vermisst man bei dem Sänger ein persönlich gefärbtes Timbre und eine differenzierte Phrasierung.

Als versöhnlicher Priester Padre Guardiano verströmt Alexander Vinogradov sonoren Wohllaut, aber auch ihm fehlt es ein wenig an der Statur für diese Rolle. In der Buffopartie des Fra Melitone kann Marco Filippo Romano ebenfalls nicht wirklich überzeugen.

Glanzpunkt der Aufführung ist eindeutig die Leonora von Anna Netrebko. Was die Sängerin an technischer Beherrschung der Partie, wie an Schönheit und Perfektion der Phrasierung leistet, ist absolute Weltklasse. Netrebko scheint kein Alter zu kennen, legt an Intensität ihrer Gestaltung noch zu und spielt inzwischen in ihrer eigenen Liga.

Am Ende Jubel für alle Beteiligten. Erstaunt muss man konstatieren, dass bei dieser Saisoneröffnung kein Italiener unter den Sängern der Hauptrollen war. Traurig für ein Land, das einmal als die Wiege des Gesanges galt.

Giuseppe Verdi
La Forza del Destino

Leo Muscato  Regie

Riccardo Chailly  Dirigent
Orchestra and Chorus of Teatro alla Scala

C-major 772704

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

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