Liebreiz und Brillianz: Lisette Oropesa ist eine perfekte Lucia di Lammermoor

Liebreiz und Brillianz: Lisette Oropesa ist eine perfekte Lucia di Lammermoor
l

Donizettis beliebteste Oper ist das perfekte Vehikel für eine Koloratursopranistin mit sicherer Höhe und Virtuosität im Vortrag. Mit der Besetzung der Titelrolle steht und fällt eine Aufführung dieser Oper.

Lisette Oropesa entspricht diesen Anforderungen, was ihr vielleicht noch an Rafinesse fehlt, macht sie mit dem Liebreiz ihrer Erscheinung, der Schönheit ihres Timbres, und ihrem engagierten Spiel wett. Man leidet förmlich mit dieser jungen Frau, die zum Opfer einer familiären Intrige, und dadurch zur Mörderin wird und dem Wahnsinn verfällt. Der Erfolg dieses Werkes hatte zahllose weitere Wahnsinnsarien anderer Komponisten zur Folge.

Einen adäquaten Partner hat Oropesa in Juan Diego Flórez als ihrem Liebhaber Edgardo. Der Tenor hat seinem lyrischen Repertoire inzwischen auch Rollen des Spinto-Faches hinzugefügt, seine Stimme ist kerniger und größer geworden, und er harmoniert mit Oropesa perfekt. Das große Duett des ersten Aktes ist eigentlich schon der Höhepunkt der Aufführung.

Boris Pinkhasovich verleiht Lucias intrigantem Bruder Enrico die geforderte Verschlagenheit, sein warm timbrierter Bariton klingt fast zu schön für einen Bösewicht. Als Lucias Vertrauter Raimondo kann Michele Pertusi mit sonorem Bass überzeugen. Ein wenig blass bleibt der Arturo von Tenor Leonardo Cortelazzi in der Opferrolle.

Die Regie von Yannis Kokkos, der auch für die Bühnenbilder und Kostüme verantwortlich zeichnet, ist unaufdringlich und funktioniert hervorragend. Geschickt wird der Chor bewegt, der eine wichtige dramaturgische Funktion vor allem in der Wahnsinnsszene hat. Kokkos führt die Sänger, seine Personenregie ist überzeugend. Für die großen Soloszenen setzt er eine Treppe ein, das gibt den Protagonisten das ideale Setting. Die Kostüme sind zeitlos, sogar eher zeitgenössisch. Es dominieren die dunklen Farben, was wohl auch dem düsteren Stoff geschuldet ist. Im Bühnenbild ist mehrfach die Skulptur eines mächtigen Hirsches zu sehen, er wird wohl von Jagdhunden gehetzt, hier einen Bezug zum Schicksal Lucias herzustellen, fällt nicht schwer.

Altmeister Riccardo Chailly hält die musikalischen Fäden der Aufführung souverän in der Hand. Den Sängern ist er ein umsichtiger Begleiter, seine Vertrautheit mit dem Chor und Orchester der Mailänder Scala ist in jedem Moment zu spüren.

Das Ergebnis ist eine vokal glanzvolle, und szenisch zumindest ansprechende Aufführung.

Gaetano Donizetti
Lucia di Lammermoor

Lucia    Lisette Oropesa
Edgardo    Juan Diego Flórez 
Enrico     Boris Pinkhasovich

Dirigent    Riccardo Chailly

Orchestra and Chorus of Teatro alla Scala

C-major 772504

zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de

Menü schließen