Die französische Komponistin Clémence de Grandval ist heute fast vollständig vergessen, obwohl sie zu Lebzeiten mit ihren Kompositionen verschiedener Gattungen höchst erfolgreich war.
Geboren 1828 in eine adelige Offiziersfamilie, heiratete sie später auch einen Grafen, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlaubten es ihr, ohne Unterstützung ihre musikalischen Studien und später ihre Arbeit als Komponistin zu realisieren. Unterricht erhielt sie, um einige zu nennen, von Friedrich von Flotow und Camille Saint-Saëns. Neben geistlicher und Kammermusik schrieb sie auch mehrere Opern.
Ihre letzte Oper, „Mazeppa“ , komponiert 1892, war ursprünglich zur Aufführung in Paris vorgesehen, aber zu diesem Zeitpunkt war der Stern der Komponistin bereits im Sinken, die Uraufführung fand schließlich in Bordeaux statt. Als das Projekt einer Wiederaufführung Gestalt annahm, stellte sich heraus, dass das Notenmaterial unvollständig war, es musste erst in mühsamer Arbeit rekonstruiert werden.
Schließlich konnte endlich im Januar 2025 im Münchner Prinzregententheater eine konzertante Aufführung stattfinden, die als Grundlage für die nun vorgelegte CD-Einspielung diente.
Grandvals Musik zu dem fünfaktigen Drama um den ukrainischen Feldherren Mazeppa, das schon Tschaikowsky als Stoff für eine seiner Opern gewählt hatte, ist reich an heroischen, wie auch lyrischen Passagen und zeigt die Komponistin auf dem Höhepunkt ihrer Meisterschaft. Auch ein großes Ballett im vierten Akt entspricht dem Charakter der Grand Opéra, die allerdings zu diesem Zeitpunkt schon ein Anachronismus war.
Für die Münchner Aufführung wurde ein hervorragendes Ensemble von Sängern aufgeboten, mit dem Münchner Rundfunkorchester stand auch ein erstklassiger Klangkörper zur Verfügung. Die zahlreichen Chöre der Oper wurden vom Chor des Bayerischen Rundfunks grandios umgesetzt. In der Titelrolle des Mazeppa glänzte der Bariton Tassis Christoyannis mit seiner geschmeidigen, facettenreichen Stimme. Seiner Geliebten Matréna verlieh Nicole Car ein eindrückliches Profil zwischen abwechselnd lyrischen Passagen und dramatischen Ausbrüchen. Julien Dran brachte für Mazeppas Rivalen Iskra seine ansprechende Tenorstimme zum Einsatz, Bassist Ante Jerkunica als Kotchoubey komplettierte das Vokalensemble.
Der Dirigent Mihhail Gerts formte Orchester und das internationale Ensemble zu einer konzentrierten Einheit, die dem Werk nach langer Vergessenheit eine glanzvolle Wiedergeburt ermöglichte. Ob der von der Aufführung und der CD-Produktion ausgehende Impuls ausreicht, um das Werk zu weiteren Aufführungen zu bringen, wird erst die Zukunft zeigen.
Verdienstvoll ist erneut das Engagement von Palazzetto Bru Zane im Einsatz für die französische Oper dieser Epoche. Eine Freude für das Auge ist auch wieder die Edition der CDs , eingebettet in ein luxuriös ausgestattetes Buch mit umfangreichen Informationen über das Werk und die Komponistin. Chapeau!
Clémence de Grandval
Mazeppa
Münchner Rundfunkorchester
Chor des Bayerischen Rundfunks
Mihhail Gerts
Palazzetto Bru Zane 46
zuerst erschienen bei http://www.klassik-begeistert.de